| AGB | Impressum
Sie befinden sich hier:  Startseite  »  Artikel » CD Review » 
Leichtmatrose - Gestrandet
Erscheinungsdatum: 01. Mai 2009 / Label: Ferryhouse (Warner)
23.04.2009, 20.53, P-Man | 1270 x gelesen

Melodramatischer Seemanns-Pop

 

Lolita, Hans Albers oder Freddy Quinn waren bekannt für ihre kleinen und großen Hymnen für bzw. über Seefahrer und die Seefahrt als solches. Melancholie dabei ein stetiger Begleiter, besang man doch Fern- & Heimweh oder die Trennung von der Liebsten, auch wenn diese auch gerne mal das Schiff war. Nun hat Leichtmatrose Andreas Stitz im Hamburger Hafen angeheuert und wird dabei von seinem Mentor Joachim Witt begleitet. Wie bei der Zusammenarbeit zu erwarten, sind Verweise auf die Neue Deutsche Welle Antriebskraft und Motor seiner Kompositionen. Neben der tiefgründigen, lyrischen Ausrichtung zeichnen gerade Einflüsse aus New Wave (Bauhaus, Depeche Mode) und Electro Pop im Stile von "Wolfsheim" und "2Raumwohnung" seine Musik aus. Dabei kokettiert er optisch mit einer unübersehbaren Metrosexualität, der sicherlich nicht immer vorurteilsfrei begegnet werden wird. Getrieben davon die zerrütteten Existenzen unserer Gesellschaft aufzudecken, den Schmerz beim Namen zu nennen und der Liebe ein trauriges Gedicht zu widmen, übt sich der Münsteraner in Selbstreflektion, aber auch als Spiegel der Gesellschaft.

 

Sein Debütalbum "Gestrandet" beweist dies erstmals auf eindrucksvolle Weise. Nachdem die Vorabsingle "Sexi ist tot", welche sich mit dem Thema Magersucht auseinandersetzt, bereits Aufsehen erregen konnte, verfolgt er mit den übrigen 11 Stücken einen ebenso kompromisslos-ehrlichen Weg auf Mißstände hinzuweisen. "Nach der Maxime ’Jeder ist mal Randgruppe’ schlüpft der Leichtmatrose in den niedrigsten Dienstgrad und erzählt von Menschen, die zwar meist nicht viel zu sagen, dafür aber umso mehr zu erzählen haben." "Junge von nebenan", wenn auch in der Entstehung nicht beabsichtigt, im Nachklang an die Ereignisse in Winnenden natürlich mit einem noch bittereren Beigeschmack versehen, belegt nur umso mehr wie nah am Leben viele seiner aufrüttelnden Texte liegen können. Abgesehen von "Studentenfutter", das den überschäumenden Idealismus vieler Studenten auf den Prüfstand stellt, bleiben die Melodien traurig. Musikalisch und im Gesang erinnert das in vielen Momenten an "Wolfsheim" und Peter Heppner, was die eigenständige Qualität nicht schmälern soll. Synthesizer werden groß geschrieben, daneben Räume für Trance oder Trip Hop Ausflüge zugelassen, aber über weite Strecken im New Wave Sound verwurzelt. Ein Album, das in der Gothic Szene ebenso funktioniert wie im Elektro Pop Bereich. Gerne mit einer Moral versehen, aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger. So leidet und liebt man mit dem Leichtmatrosen, verspürt dabei gleichermaßen die Sehnsucht nach emotionaler Weite wie menschlicher Nähe und lässt sich auf eine Schifffahrt ins offene Meer ein - Ziel unbekannt.

 

Anspieltipps: “Gestrandet“, “Studentenfutter“ und “Vom Esel im Galopp verloren“

 

 

Note: 2,2

 

Trackliste:

1. Herztransplantation

2. In Wahrheit gelogen

3. Gestrandet

4. Sexi ist tot

5. Der einsame Astronaut

6. Der Mond trägt ein trauriges Gesicht

7. Studentenfutter

8. Junge von nebenan

9. Vom Esel im Galopp verloren

10. Himmelfahrt

11. Leichtmatrosen haben's schwer

12. Der letzte Zug

 

Bandmitglieder:

Andreas Stitz - Worte, Melodien, Emotionen und Gesang

Dorian E – Background Gesang

Kay Lehmkuhl – Gitarre

Jan Richter – Gitarre

Carsten Klick - drums-programm u.a.

 

 

   
Infoleiste

Links dazu
Leichtmatrose online

Artikel bewerten
Genial
Wirklich Lesenswert
Interessant
Mittelmässig
Gibt es Bessere
Schlecht
Kommentar schreiben
Sie besitzen nicht die Berechtigung, Kommentare abzugeben.
   

Diese Seite: drucken  weiterempfehlen    bookmarken

Bitte wählen Sie die Bereiche, für welche Sie sich interessieren
Allgemein
E-Mail
Name
Format





Valid XHTML 1.0

Valid CSS