14.05.2009, 22.09, P-Man | 570 x gelesen
Gezähmtes Rumpelstilzchen
Ray Wilson hat sich von allem Erfolgsdruck freischwimmen können. Nachdem er 1994 gemeinsam mit “Stiltskin“ die Hitsingle “Inside“ abliefert, bleiben die folgenden Auskopplungen ihres Debütalbums “The mind’s eye“ hinter den Erwartungen zurück. In Europa durchaus kommerziell erfolgreich, sind es am Ende interne Differenzen, die zum vorübergehenden Split führen. Wilson steigt bei “Genesis“ ein und veröffentlicht mit der Kultband “Calling all stations“. Aber auch dieses Gastspiel ist nicht von langer Dauer und so konzentriert er sich mehr und mehr auf seine Solokarriere. 2003 erscheint “Change“ und wird nur ein Jahr später von “The next best thing“ abgelöst. Wie sich kurze Zeit später herausstellt, ist die Geschichte mit “Stiltskin“ noch nicht am Ende und ein zufälliges Treffen im Rahmen eines Konzertes in London zieht die Reunion nach sich. Unter “Ray Wilson & Stiltskin“ erscheint “She“, welches mit einer ausgiebigen Tour durch Europa promotet wird.
Mit dem Wissen um einen Hit, der es den Meisten recht gemacht hat und das Engagement bei “Genesis“ konnte Ray Wilson den Erfolg schmecken. Diese Erfahrung hat ihm dabei geholfen mehr zu sich selbst zu finden. Kleinere Brötchen werden gebacken, aber dafür mit Liebe geformt und mit Seele versehen. “Propaganda man“ wird bereits seit 2008 im Rahmen von Liveshows und über die eigene Homepage vertrieben. Nun erscheint das mittlerweile 3. Soloalbum des schottischen Rocksängers auch auf offiziellen Vertriebswegen. Eine akustisch gehaltene Platte, die ungemein von der charismatischen Stimme von Wilson profitiert. Im Gegensatz zu “She“ wesentlich puristischer und düsterer gehalten. Es sind weniger die offensichtlichen Hits, die sich dem Hörer darauf präsentieren, sondern vielmehr Songs, die sich mit jedem weiteren Durchlauf entfalten. Die Single “Bless me“ gehört dabei noch zu den auffälliger gestalteten Stücken. Orientalischer Gesang leitet den Titel ein und wird von einer stimmungsvollen Rockballade abgelöst. Hier erklingt zumindest noch eine E-Gitarre, während schon bei “Lately“ minimalistischere Töne angeschlagen werden. “The brakes are gone“ lässt ein wenig die “Genesis“ Zeit aufblitzen und präsentiert sich stellenweise progressiver – fast schon psychedelisch. Im Zentrum von “Razorlite“ stehen erneut Akustikgitarre und die Stimme von Wilson, ergänzt um weiche Pianoelemente. Streicher bereichern den Titelsong “Propaganda man“, doch so richtig aufblühen kann er erst mit “Frequency“, der stärksten Nummer des Albums. Ungemein melodischer Refrain, der selbst einem Bruce Springsteen gut zu Gesicht gestanden hätte. Tolle, verträumte Nummer, die noch einmal alle Akustik Rock Register zieht. Unterm Strich eine Platte für Menschen, denen ein gutes Album ebenso teuer ist, wie die Zeit, um sich in Ruhe damit zu beschäftigen.
Anspieltipps: “The brakes are gone“, “Frequency” und “Cosmic baby“
Note: 2,4
Trackliste:
1. Bless me
2. Lately
3. The brakes are gone
4. Razorlite
5. Propaganda man
6. Frequency
7. Modern day miracle
8. Cosmic baby
9. Things don't stop
10. More propaganda
11. On the other side
Bandmitglieder:
Ray Wilson – vocals, guitar, mouth organ und production
Ali Ferguson – lead guitar und backing vocals
Lawrie MacMillan – bass und backing vocals
Ashley MacMillan – drums und percusion
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